Was passiert mit Redakteuren, deren einzige Aufgabe es ist, Agenturmeldungen ins Blatt zu heben? Wahrscheinlich stecken Sie ihre ganze verkümmerte Kreativität in Überschriften und Bildzeilen. So wie heute die überaus unbedeutenden Redakteure der überaus unbedeutenden Todeszeitung Tageszeitung meiner Eltern zum Thema Kachelmann:
Seite 1 Anreißer (Überschrift):
Gegenwind für Kachelmann
Seite 1 Bildzeile zum Anreißer:
Über Jörg Kachelmann braut sich ein Orkan zusammen.
Seite 15 Aufmacher-Artikel:
Kachelmann im Tief
Seite 15 Bildzeile zum Aufmacher:
Da braut sich was zusammen: Gegen …
Seltsamerweise habe ich vor einigen Jahren in genau dieser Redaktion ein Praktikum gemacht. Damals waren es Mitt-50er und Anfang-60er, die dort saßen – und stumpf wie Google News zu dritt oder zu viert den Mantel aus Agenturmeldungen zusammenschusterten. Keiner aus diesem Wasserkopf von Journalisten schrieb seinerzeit auch nur einen einzigen Artikel selbst. Umso überraschender finde ich es, dass genau dieselben Namen und genau dieselben schlechten Agenturmeldungen auch heute noch so funktionieren wie einst. Die Zeit ist stehen geblieben, die Anzeigenkrise gab es niemals.